orchidee umtopfen

Orchidee umtopfen: So schenkst du deiner Diva ein neues Leben und Blütenpracht

Alisas Plant-Learnings für Eilige:

  1. Wurzel-Check ist Pflicht: Gesunde Wurzeln sind prall und grün oder silbrig – matschige oder vertrocknete Teile müssen vor dem Einpflanzen radikal entfernt werden, damit die Pflanze überlebt.
  2. Keine normale Blumenerde: Deine Orchidee ist ein Epiphyt (Aufsitzerpflanze) und würde in normaler Erde ersticken; nutze nur grobes, luftiges Rindensubstrat.
  3. Timing ist alles: Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr nach der Blüte, wenn neue Wurzelspitzen sichtbar werden – topfe während der Blüte nur im absoluten Notfall um.

Wann ist der richtige Moment, um deine Orchidee umtopfen zu müssen?

Du stehst vor deiner Fensterbank, betrachtest deine geliebte Phalaenopsis und fragst dich, ob es Zeit für einen Umzug ist. Ich verstehe diese Unsicherheit total, denn Orchideen sind Gewohnheitstiere und mögen Veränderungen an ihren Wurzeln eigentlich gar nicht so gerne. Doch es gibt ganz klare Anzeichen, die dir signalisieren, dass du jetzt handeln musst. Grundsätzlich gilt bei den meisten tropischen Orchideen, dass ein Umtopfen etwa alle zwei bis drei Jahre notwendig wird. Aber verlass dich bitte nicht stur auf den Kalender, sondern schau dir deine Pflanze genau an. Das wichtigste Signal kommt direkt aus dem Topf. Wenn das Substrat, also die Rindenstücke, in denen sie sitzt, völlig zersetzt ist und eher wie fester Humus oder Blumenerde aussieht, bekommt deine Pflanze keine Luft mehr.

In der Natur wachsen diese Schönheiten auf Bäumen, wo der Wind ständig um ihre Wurzeln weht. Wenn das Substrat im Topf zerfällt, verdichtet es sich, speichert zu viel Wasser und schnürt die Sauerstoffzufuhr ab. Die Folge ist tödliche Wurzelfäule. Ein weiteres, sehr offensichtliches Zeichen ist der Platzmangel. Wenn die Wurzeln die Pflanze förmlich aus dem Topf heben und oben mehr Wurzelmasse zu sehen ist als Substrat, wird es eng. Auch wenn du beim Gießen bemerkst, dass das Wasser gar nicht mehr richtig abläuft oder das Substrat extrem lange nass bleibt, weil die Drainage nicht mehr funktioniert, solltest du das Projekt Orchidee umtopfen zeitnah angehen. Ich rate dir zudem, jede neu gekaufte Orchidee einmal kritisch zu prüfen. Oft stecken sie in billigem Moos-Gemisch, das im Gartencenter funktioniert, aber bei dir zu Hause schnell zu Fäulnis führt. Ein frischer Start im richtigen Substrat ist oft der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen dir und deiner Pflanze.

Beim Umtopfen von Orchideen auf Luftwurzeln achten: Wohin mit den Tentakeln?

Vielleicht kennst du das Problem: Deine Orchidee sieht aus wie ein kleines Monster, das seine Fühler in alle Richtungen ausstreckt. Diese grauen, silbrigen Tentakel, die wild über den Topfrand wachsen, verunsichern viele Pflanzenfreunde. Wenn wir uns dem Thema Umtopfen von Orchideen und Luftwurzeln widmen, müssen wir zuerst verstehen, was diese Organe eigentlich sind. Botanisch gesehen gibt es bei den meisten Epiphyten keinen Unterschied zwischen den Wurzeln im Topf und den Luftwurzeln. Es ist dasselbe Gewebe. Die Wurzeln besitzen eine schwammartige Außenhaut, das Velamen radicum. Dieses Gewebe ist genial konstruiert: Es saugt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf wie ein Löschpapier. In der Natur sichert das der Pflanze das Überleben in den Baumkronen, fernab von Grundwasser.

Wenn du nun deine Pflanze umtopfst, stehst du vor der Entscheidung, was mit diesen Luftwurzeln passieren soll. Viele Anfänger machen den Fehler und schneiden sie ab, weil sie „unordentlich“ aussehen. Bitte tu das auf keinen Fall! Du würdest der Pflanze gesunde Organe rauben, die sie zur Versorgung braucht. Jede grüne oder silbrige, feste Wurzel ist lebenswichtig. Wenn die Luftwurzeln noch flexibel sind, empfehle ich dir, sie vorsichtig mit in den neuen Topf zu leiten. Das hat den Vorteil, dass die Pflanze sofort mehr Wurzelmasse im Substrat hat, um sich zu verankern und Nährstoffe aufzunehmen. Um sie geschmeidig zu machen, kannst du die Wurzeln vorher zehn Minuten in handwarmes Wasser tauchen. Dann brechen sie nicht so leicht, wenn du sie sanft in das neue Gefäß drehst. Sind die Luftwurzeln jedoch extrem lang, verholzt und lassen sich absolut nicht biegen, ohne zu brechen, dann lass sie lieber draußen. Es ist besser, sie bleiben als Luftwurzeln aktiv, als dass sie im Topf abknicken, absterben und dort einen Fäulnisherd bilden. Nur vertrocknete, papierdünne und hohle Luftwurzeln darfst du bedenkenlos bis zum Ansatz abschneiden.

Orchideen umtopfen: Welche Töpfe sind die richtigen für das Wurzelwachstum?

Die Wahl des Gefäßes ist beim Thema Orchideen umtopfen und welche Töpfe geeignet sind, fast genauso wichtig wie das Substrat selbst. Du hast sicher schon bemerkt, dass Orchideen fast immer in durchsichtigen Plastiktöpfen verkauft werden. Das ist keine Laune der Industrie, um Kosten zu sparen, sondern hat einen handfesten biologischen Hintergrund. Die Wurzeln der meisten Epiphyten, insbesondere der Phalaenopsis, sind in der Lage, Photosynthese zu betreiben. Das erkennst du daran, dass sie grün werden, wenn sie nass sind. Sie helfen der Pflanze also bei der Energiegewinnung. Sperrst du diese Wurzeln in einen dunklen Keramiktopf, nimmst du ihnen diese Möglichkeit. Zwar sterben sie daran nicht, aber sie wachsen in transparenten Töpfen einfach vitaler.

Viel wichtiger als die Lichtdurchlässigkeit ist jedoch die Luftzirkulation und die Drainage. Staunässe ist der absolute Endgegner für jede Orchidee. Wenn du einen Topf auswählst, achte darauf, dass er im Boden viele Löcher hat und idealerweise unten leicht erhöht ist, damit das Wasser ungehindert ablaufen kann. Es gibt mittlerweile spezielle Orchideen-Töpfe, sogenannte „Orchitops“ oder Töpfe mit seitlichen Schlitzen. Diese sind fantastisch, weil sie die Luftzirkulation maximieren und so die natürlichen Bedingungen auf einem Baumstamm simulieren. Wenn du dich fragst, welche Größe du wählen sollst: Wähle den Topf nicht zu groß! Orchideen lieben es eng („kuschlig“). Ein zu großer Topf bedeutet zu viel Substrat, das zu viel Wasser speichert und in der Mitte nur langsam abtrocknet. Wähle den neuen Topf maximal zwei Zentimeter größer als den alten. Oft reicht es sogar, denselben Topf gründlich zu reinigen und wiederzuverwenden, wenn du viele tote Wurzeln entfernen musstest und der Wurzelballen dadurch kleiner geworden ist. Ein zu großer Topf führt oft dazu, dass die Pflanze ihre Energie nur in das Wurzelwachstum steckt und das Blühen vergisst, oder noch schlimmer, dass die Wurzeln im Kern faulen.

Orchidee umtopfen: Welche Erde braucht deine exotische Pflanze wirklich?

Ich kriege immer wieder Gänsehaut, wenn mir jemand erzählt, dass er seine Orchidee in normale Blumenerde gesetzt hat. Wenn wir klären wollen, beim Orchidee umtopfen welche Erde die richtige ist, lautet die kurze Antwort: Gar keine Erde! Zumindest nicht das, was wir landläufig unter Erde verstehen. Normale Blumenerde ist fein, dicht und speichert Wasser extrem gut. Für eine Geranie ist das toll, für eine Orchidee ist es ein Todesurteil. Die feine Erde verstopft die Zwischenräume, sodass kein Sauerstoff mehr an das Velamen radicum (die Wurzelhülle) kommt. Ohne Sauerstoff ersticken die Wurzeln, und anaerobe Bakterien breiten sich rasend schnell aus, was zu matschiger Fäule führt. Deine Pflanze verhungert und verdurstet dann paradoxerweise, obwohl sie im Nassen steht, weil die faulen Wurzeln nichts mehr transportieren können.

Was du brauchst, ist ein spezielles Orchideensubstrat. Dieses besteht hauptsächlich aus Rindenstücken (meist Pinienrinde) in unterschiedlichen Körnungen. Für junge Pflanzen oder Orchideen mit feinen Wurzeln (wie Miltonia) nimmst du feinere Rinde, für die klassische Phalaenopsis mit ihren dicken Wurzeln ist grobe Rinde (Körnung 15-25mm) ideal. Die Rinde sorgt für Struktur und Halt, lässt aber riesige Hohlräume, durch die die Luft zirkulieren kann. Gleichzeitig nimmt die Rinde Wasser auf und gibt es langsam als Luftfeuchtigkeit wieder ab. Gute Mischungen enthalten oft noch Zusätze wie Perlite oder Blähton für die Drainage und manchmal etwas Sphagnum-Moos zur Feuchtigkeitsspeicherung. Ich mische mein Substrat am liebsten selbst, aber hochwertige Fertigmischungen aus dem Fachhandel (bitte nicht die billigste aus dem Baumarkt, die oft zu viel Torf enthält) tun es auch. Achte darauf, dass auf der Packung „grobe Struktur“ steht und du beim Anfassen wirkliche Holzstücke spürst. Wenn es sich wie Torf anfühlt, lass die Finger davon. Deine Orchidee möchte atmen, genau wie sie es oben in den Ästen des Regenwaldes tut.

Darf ich Orchideen umtopfen während der Blüte oder schadet das?

Das ist wohl eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden: Sollte man Orchideen umtopfen während der Blüte oder lieber warten? Stell dir vor, du bist gerade dabei, einen Marathon zu laufen – das ist für die Pflanze die Blütezeit. Sie steckt ihre gesamte Energie in die Erhaltung der prachtvollen Blüten, um Bestäuber anzulocken. Wenn du sie in diesem Moment aus dem Topf reißt, ihre Wurzeln bearbeitest und sie in eine neue Umgebung setzt, bedeutet das massiven Stress. Die natürliche Reaktion der Orchidee auf diesen Stress ist oft der sogenannte „Bud Blast“ oder das Abwerfen der Blüten. Sie bricht den Marathon ab, um ihre Energie auf das Überleben und das Anwachsen der Wurzeln zu konzentrieren. Deshalb lautet mein genereller Rat als Pflanzen-Mentorin: Warte, bis die letzte Blüte verblüht ist. Genieße die Pracht und nutze die Zeit danach für die Pflege.

Aber – und das ist ein großes Aber – es gibt Ausnahmen. Manchmal müssen wir Regeln brechen, um Leben zu retten. Wenn du eine blühende Orchidee kaufst und zu Hause feststellst, dass sie extrem wackelt, die Wurzeln bereits glasig-braun und matschig sind oder du Schädlinge wie Wollläuse im Substrat entdeckst, dann musst du sofort handeln. In diesem Fall ist das Überleben der Pflanze wichtiger als die aktuellen Blüten. Wenn du eine Orchidee während der Blüte notumtopfen musst, versuche, so behutsam wie möglich zu sein. Störe den Wurzelballen so wenig wie möglich. Oft hilft es auch, den Blütenstängel dann selbst abzuschneiden und in eine Vase zu stellen. Das klingt brutal, aber so nimmst du der Pflanze die Last der Blütenversorgung ab, und sie kann ihre ganze Kraft in die Regeneration der Wurzeln stecken. Sie wird es dir danken, indem sie später umso kräftiger wieder austreibt.

Schiefe Orchideen umtopfen: Bring sie wieder ins Gleichgewicht

Hast du auch so eine Kandidatin auf der Fensterbank, die sich fast waagerecht aus dem Topf lehnt? Das sieht nicht nur gefährlich instabil aus, sondern bringt den Topf auch oft zum Kippen. Wenn wir schiefe Orchideen umtopfen, müssen wir verstehen, warum sie das tun. Orchideen sind phototrop, das heißt, sie wachsen immer zum Licht. Wenn sie jahrelang an derselben Stelle standen, ohne gedreht zu werden, wächst der Stamm (das Rhizom) in Richtung Fensterscheibe. In der Natur wachsen Phalaenopsis sogar oft seitlich an Bäumen hängend, damit das Regenwasser aus dem Blatherz abfließen kann. Ein schiefer Wuchs ist also per se nichts Krankhaftes, aber auf der Fensterbank unpraktisch.

Beim Umtopfen hast du die perfekte Chance, diese Schieflage zu korrigieren. Nimm die Pflanze aus dem Topf und entferne alles alte Substrat. Nun wirst du merken, dass der untere Teil des Stammes oft verkahlt ist und die Wurzeln ein starres Gerüst bilden. Versuche nicht, die Pflanze mit Gewalt senkrecht zu biegen, wenn der Stamm schon verholzt und krumm ist – er könnte brechen. Der Trick ist, die Positionierung im Topf zu verändern. Setze die Pflanze so ein, dass der neuste Austrieb (das Herz) wieder mittig und aufrecht steht. Dabei kann es sein, dass der alte Wurzelballen schräg in den Topf gesetzt werden muss. Das ist völlig in Ordnung. Achte darauf, dass du die Pflanze beim Auffüllen mit neuem Substrat gut stabilisierst. Drücke die Rindenstücke fest genug an, damit die Orchidee Halt findet, aber nicht so fest, dass die Wurzeln zerquetscht werden. Du kannst in den ersten Wochen auch einen Pflanzstab oder spezielle Orchideenklammern nutzen, um den Stamm in der gewünschten aufrechten Position zu fixieren, bis die neuen Wurzeln fest im Substrat eingewachsen sind. So bringst du nicht nur die Optik wieder in Balance, sondern verhinderst auch, dass der schwere Kopf den Topf bei jedem Windzug umwirft.

Orchideen umtopfen Herbst: Ist das noch sinnvoll oder gefährlich?

Der Herbst ist für uns Gärtner oft die Zeit, in der wir den Garten winterfest machen, aber gilt das auch für unsere Zimmerpflanzen? Wenn du überlegst, ob du deine Orchideen umtopfen im Herbst solltest, muss ich dich etwas bremsen. Aus botanischer Sicht ist der Herbst nicht der ideale Zeitpunkt. Mit den kürzer werdenden Tagen und dem geringeren Lichtangebot verlangsamt sich der Stoffwechsel deiner Orchidee. Sie geht zwar nicht in eine komplette Winterstarre wie ein Gartenbaum, aber das Wurzelwachstum reduziert sich deutlich. Wenn du jetzt umtopfst, entstehen zwangsläufig kleine Verletzungen an den Wurzeln. Da die Pflanze aber im „Energiesparmodus“ läuft, heilen diese Wunden langsamer und neue Wurzeln wachsen nur zögerlich nach. Das Risiko ist hoch, dass die Pflanze den ganzen Winter über wackelig im Topf sitzt.

Dazu kommt das Problem der Feuchtigkeit. Im Herbst und Winter ist es in unseren Wohnungen oft kühler (zumindest direkt am Fenster), und das Substrat trocknet langsamer ab als im Sommer. Frisch umgetopfte Orchideen in neuem Substrat neigen dazu, empfindlicher auf Nässe zu reagieren, bis sich ein Mikroklima im Topf eingestellt hat. Kombinierst du Nässe, Kälte und langsame Wundheilung, hast du das perfekte Rezept für Wurzelfäule. Mein Rat: Wenn es kein absoluter Notfall ist (wie Schädlinge oder akute Fäulnis), dann warte mit dem Umtopfen bis zum Frühling (März/April). Dann erwachen die Lebensgeister, das Licht nimmt zu, und die Pflanze kann den Stress des Umtopfens viel besser wegstecken und schnell neue Wurzeln bilden. Solltest du dennoch im Herbst umtopfen müssen, halte die Pflanze danach etwas trockener als sonst und stelle sie unbedingt an einen sehr hellen, warmen Platz, eventuell sogar unter eine Pflanzenlampe, um den Lichtmangel auszugleichen und das Wachstum anzuregen.

Orchideen umtopfen ohne Erde: Alternativen wie Wasserkultur

Vielleicht hast du auf Instagram oder Pinterest schon mal Bilder von Orchideen gesehen, die komplett „nackt“ in Glasgefäßen stehen oder auf Holzstücken wachsen. Das Thema Orchideen umtopfen ohne Erde ist faszinierend und kommt der natürlichen Lebensweise der Pflanzen sehr nahe. Wir sprechen hier entweder von der Wasserkultur (Water Culture) oder dem Aufbinden. Beim Aufbinden wird die Orchidee mit etwas Moos auf ein Stück Kork oder Holz gebunden. Das sieht wunderschön aus, erfordert aber eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit und tägliches Sprühen. Für das normale Wohnzimmer ist das oft zu pflegeintensiv.

Spannender für den Alltag ist die Semi-Wasserkultur oder „Full Water Culture“. Hierbei steht die Orchidee ohne Substrat in einem Glasgefäß. Bei der „Full Water Culture“ sind die Wurzelspitzen dauerhaft im Wasser, während der Rest Luft bekommt. Bei der „Semi Water Culture“ füllst du das Glas für ein paar Tage mit Wasser und lässt die Pflanze dann ein paar Tage komplett trocken stehen. Wenn du deine Orchidee von Rindensubstrat auf diese Methode umstellen willst, musst du sehr geduldig sein. Die alten „Erd-Wurzeln“ werden fast alle absterben, da sie nicht an das dauerhafte Wasser gewöhnt sind. Die Pflanze muss erst neue „Wasser-Wurzeln“ bilden. Das Umtopfen in dieses System bedeutet: Reste restlos entfernen, Wurzeln peinlich genau säubern und dann beobachten. Es ist nichts für blutige Anfänger, aber wenn du experimentierfreudig bist, kann es funktionieren. Der Vorteil: Du hast nie wieder Probleme mit zersetztem Substrat oder Trauermücken. Allerdings fehlt der Pflanze der Halt und der Puffer, den das Substrat bietet. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, bleib bei grober Pinienrinde – das ist auch „ohne Erde“ im klassischen Sinne, aber mit der nötigen Sicherheit für deine Pflanze.

Anleitung: Deine Orchidee umtopfen – Schritt für Schritt zum Erfolg

Jetzt geht es ans Eingemachte! Wir haben genug Theorie gewälzt, jetzt legen wir Hand an. Damit das Orchidee umtopfen auch wirklich gelingt und deine Pflanze keinen Schock bekommt, leite ich dich hier Schritt für Schritt durch den Prozess. Nimm dir Zeit, bereite deinen Arbeitsplatz vor (am besten legst du Zeitungspapier aus) und hab keine Angst – du und ich, wir kriegen das hin!

Schritt 1: Das Vorbereiten und Wässern Bevor du die Orchidee aus ihrem alten Topf ziehst, tauche sie für etwa 10 bis 15 Minuten in Wasser. Warum? Trockene Wurzeln sind spröde und brechen leicht. Vollgesogene Wurzeln sind flexibel und geschmeidig. Außerdem löst sich das alte Substrat viel besser, wenn es nass ist. Drücke den Plastiktopf rundherum leicht zusammen, um den Wurzelballen zu lockern, und ziehe die Pflanze dann vorsichtig, aber bestimmt am Schaft (nicht an den Blättern!) heraus.

Schritt 2: Das Säubern und der Wurzel-Schnitt Jetzt kommt der wichtigste Teil. Entferne restlos alles alte Substrat. Pule vorsichtig die Rindenstücke zwischen den Wurzeln heraus. Wenn das Substrat alt und sauer ist, muss es weg, sonst faulen die Wurzeln weiter. Nun nimmst du eine saubere, scharfe Schere (am besten vorher mit Alkohol desinfiziert). Schneide alle Wurzeln ab, die matschig, braun oder hohle Hüllen sind. Nur was fest und prall ist (egal ob grün, weiß oder gelblich, weil es kein Licht bekommen hat), darf bleiben. Auch vertrocknete Blütentriebe kannst du jetzt am Ansatz kappen.

Schritt 3: Das Einsetzen Nimm deinen neuen (oder gereinigten alten) Topf. Fülle eine kleine Schicht grobe Rinde als Drainage unten ein. Nun hältst du die Orchidee mit einer Hand so in den Topf, dass der Wurzelhals (dort, wo die Blätter beginnen) knapp unter dem Topfrand ist. Mit der anderen Hand füllst du nun das frische Substrat ein.

Schritt 4: Das Verdichten Drücke das Substrat nicht gewaltsam von oben fest! Stattdessen klopfst du mit dem Topf immer wieder leicht auf den Tisch und schüttelst ihn sanft. So rieseln die Rindenstücke in die Hohlräume zwischen den Wurzeln. Du kannst mit einem Stäbchen vorsichtig nachhelfen. Die Orchidee sitzt richtig, wenn du sie an den Blättern anheben kannst, ohne dass der Topf abfällt.

Schritt 5: Die Nachsorge Da die Wurzeln vom Wässern vor dem Umtopfen noch feucht sind, gieße die Orchidee jetzt nicht sofort an. Warte 2-3 Tage. Das gibt den Schnittstellen an den Wurzeln Zeit, sich zu verschließen und zu verheilen (Kallusbildung). Würdest du sofort gießen, könnten Bakterien in die frischen Wunden eindringen. Stelle sie hell, aber ohne direkte Mittagssonne, und besprühe in den ersten Tagen lieber nur leicht die Blätter oder die Luftwurzeln.

FAQ: Häufige Fragen nach dem Umtopfen

Wie lange dauert es, bis die Orchidee nach dem Umtopfen wieder blüht?

Das ist eine Geduldsprobe, auf die ich dich vorbereiten muss. Nachdem du deiner Orchidee durch das Umtopfen quasi den Boden unter den Füßen weggezogen und erneuert hast, braucht sie Zeit zur Regeneration. Sie muss ihr Wurzelsystem erst wieder fest im neuen Substrat verankern. In der Regel dauert diese vegetative Phase, in der sie nur Blätter und Wurzeln bildet, etwa einige Monate. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie die nächste Blütesaison einmal aussetzt, besonders wenn du viele Wurzeln entfernen musstest. Bei gesunden Pflanzen, die zum optimalen Zeitpunkt im Frühjahr umgetopft wurden, kannst du aber oft schon im darauffolgenden Herbst oder Winter mit neuen Blütentrieben rechnen. Gib ihr Licht, die richtige Temperatur und (nach der Eingewöhnung) etwas Dünger, um diesen Prozess zu unterstützen.

Warum bekommt meine Orchidee nach dem Umtopfen schlappe Blätter?

Keine Panik, das nennt man den „Umtopf-Schock“ oder Stressreaktion. Da das Wurzelsystem gestört wurde und eventuell Wurzeln entfernt wurden, kann die Pflanze kurzzeitig nicht mehr so viel Wasser aufnehmen, wie sie über die Blätter verdunstet. Der Turgor (Zelldruck) in den Blättern sinkt, und sie werden weich und lederartig. Das ist besonders häufig der Fall, wenn du von einem sehr feuchten, zersetzten Substrat in sehr grobe, trockene Rinde gewechselt hast. Das neue Substrat speichert am Anfang noch nicht so gut Wasser. Du kannst der Pflanze helfen, indem du die Luftfeuchtigkeit erhöhst. Stülpe eine transparente Plastiktüte locker über die Pflanze (Lüften nicht vergessen!), um ein Treibhaus-Klima zu schaffen, oder besprühe die Blätter täglich morgens. Meist fangen sich die Blätter wieder, sobald neue Wurzelspitzen wachsen.

Sollte ich die Schnittstellen der Wurzeln behandeln?

Hier scheiden sich die Geister, aber ich fahre mit einer natürlichen Methode sehr gut. Wenn du dicke, fleischige Wurzeln abschneiden musstest, entstehen relativ große Wunden. Diese sind Eintrittspforten für Pilze und Bakterien. Viele Profis nutzen Zimt-Pulver (ganz normales aus der Küche), um die Schnittstellen zu bestäuben. Zimt wirkt natürlich fungizid und desinfizierend. Alternativ kannst du auch Holzkohlepulver verwenden (Aktivkohle). Tupfe das Pulver einfach direkt auf die frische Schnittstelle. Bitte verwende keine aggressiven chemischen Wundverschlüsse für Bäume oder ähnliches, das ist zu viel für das empfindliche Orchi-Gewebe. Wenn du sauber gearbeitet und die Schere desinfiziert hast, heilen kleine Wunden oft auch an der Luft, solange du – wie oben beschrieben – mit dem ersten Gießen ein paar Tage wartest.

Wann darf ich nach dem Umtopfen wieder düngen?

Hier gilt: Weniger ist mehr! Deine Orchidee muss erst neue feine Wurzelhaare bilden, um Nährstoffe überhaupt aufnehmen zu können. Die Salze im Dünger könnten die frischen, empfindlichen Wurzelspitzen, die sich jetzt bilden, sofort verbrennen. Ich empfehle dir, mindestens 4 bis 6 Wochen nach dem Umtopfen komplett auf Dünger zu verzichten. Gieße in dieser Zeit nur mit klarem, kalkarmem Wasser (am besten Regenwasser oder gefiltertes Wasser). Das neue Substrat (besonders Pinienrinde) enthält anfangs ohnehin kaum Nährstoffe, aber die Pflanze zehrt noch von ihren Reserven in den Blättern und Bulben. Wenn du nach 6 Wochen siehst, dass ein neues Blatt wächst oder Wurzelspitzen aktiv sind, kannst du mit einer halben Dosierung des Orchideendüngers wieder starten.

Was mache ich, wenn der neue Topf keine Drainage-Löcher hat?

Dann hast du leider den falschen Topf oder einen Übertopf in der Hand! Es ist absolut kritisch: Du darfst eine Orchidee niemals direkt in ein geschlossenes Gefäß ohne Abflusslöcher pflanzen (außer bei speziellen Glas-Methoden für Profis, siehe oben). Wenn du einen wunderschönen Keramiktopf ohne Loch hast, nutze ihn bitte nur als Übertopf. Pflanze die Orchidee immer in einen transparenten Plastik-Innentopf mit vielen Löchern und stelle diesen dann in den Keramiktopf. Achte dabei darauf, dass zwischen dem Boden des Innentopfs und dem Boden des Übertopfs etwas Luft ist (z.B. durch eine Erhöhung im Übertopf oder eine Schicht Blähton unten drin). So kann überschüssiges Gießwasser abtropfen und die Wurzeln stehen nicht im „nassen Fußbad“. Staunässe in einem geschlossenen Topf tötet deine Orchidee innerhalb weniger Wochen.

Alisa
Pflanzen-Nerd aus Leidenschaft

Hi, ich bin Alisa! 🌿

Seit 12 Jahren teste ich Substrate und bekämpfe Spinnmilben, damit du es nicht musst. In meinem Indoor-Labor leben über 140 exotische Arten. Hier teile ich radikal ehrliche Pflegetipps und fundiertes Wissen – ohne Mythen, dafür mit echter Erfahrung aus dem Dschungel-Alltag.

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