Die faszinierendsten Philodendron Arten: Dein Guide durch den Dschungel der Vielfalt

Alisas Plant-Learnings für Eilige:

  1. Vielfalt verstehen: Nicht jeder Philodendron klettert; es gibt auch kriechende und selbsttragende Arten, und genau diese Wuchsform bestimmt deine Pflege-Routine und die Wahl der Rankhilfe.
  2. Lichtbedarf variiert: Während dunkle, grüne Blätter (wie beim scandens) oft schattentoleranter sind, brauchen panaschierte Arten (wie die Pink Princess) zwingend mehr Licht, um ihre Farben zu behalten.
  3. Luftfeuchtigkeit ist Key: Besonders die samtigen Arten (Velvet-Leafs) leiden in trockener Heizungsluft, da ihre Blattstruktur botanisch an den Nebelwald angepasst ist.

Warum es so viele verschiedene Philodendron Arten gibt und wie du sie unterscheidest

Vielleicht stehst du manchmal im Gartencenter oder scrollst durch Instagram und bist schlichtweg überwältigt von der schieren Menge an Pflanzen, die alle den Namen Philodendron tragen. Du fragst dich, wie eine kleine, herzblättrige Hängepflanze zur selben Gattung gehören kann wie ein riesiger Gigant mit geschlitzten Blättern. Das ist völlig normal, denn die Gattung Philodendron ist riesig und umfasst hunderte von beschriebenen Spezies, die alle zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae) gehören. Wenn wir uns den botanischen Namen genauer ansehen, leitet er sich aus dem Griechischen ab: „philo“ bedeutet Liebe und „dendron“ bedeutet Baum. Das gibt dir schon den ersten tiefen Einblick in die Natur dieser Pflanzen, denn viele Philodendron Arten sind sogenannte Hemiepiphyten.

Botanisch gesehen beginnen diese Pflanzen ihr Leben oft hoch oben im Kronendach als Samen oder klettern als Keimling am Waldboden sofort den nächsten Baumstamm hinauf, um ans Licht zu gelangen. Diese Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lichtverhältnisse im Regenwald hat zu einer enormen Diversität geführt. Wir unterscheiden grob zwischen kletternden Arten, die zwingend eine Rankhilfe benötigen, um ihre adulten Blattformen auszubilden, und kriechenden oder selbsttragenden Arten, die eher buschig am Boden wachsen. Wenn du lernst, diese Wuchsformen zu identifizieren, verstehst du ihre Bedürfnisse viel besser. Ein kletternder Philodendron wird ohne Moosstab oft nur kleine, kümmerliche Blätter produzieren, weil ihm das physiologische Signal fehlt, dass er „sicher“ an einem Baum verankert ist. Die Unterscheidung der Philodendron Arten ist also nicht nur ästhetisch wichtig, sondern der Schlüssel zu deinem grünen Daumen. Ich helfe dir dabei, genau zu erkennen, was dein grüner Mitbewohner braucht, damit er sich bei dir fast wie in den Tropen fühlt.

Der Philodendron scandens als robuster Einstieg für Anfänger

Du hast vielleicht Angst, deine erste Pflanze direkt in den Pflanzenhimmel zu befördern, und suchst deshalb nach einem Kandidaten, der dir kleine Pflegefehler verzeiht. Genau hier kommt der Philodendron scandens, oft auch als Herzblatt-Philodendron bezeichnet, ins Spiel. Er ist der klassische Freund für alle, die noch kein perfekt eingespgeltes Gieß-Händchen haben. Doch warum ist gerade diese Art so unfassbar widerstandsfähig im Vergleich zu ihren exotischeren Verwandten? Das liegt an seiner botanischen Beschaffenheit und seiner ursprünglichen Herkunft aus den dichten, teils dunkleren Ebenen Mittel- und Südamerikas.

Der Philodendron scandens besitzt relativ dünne, aber lederartige Blätter mit einer hohen Dichte an Chlorophyll. Dieses tiefgrüne Pigment ist darauf spezialisiert, auch geringe Mengen an Lichtquanten effizient für die Photosynthese zu nutzen. Während hochgezüchtete, bunte Pflanzen extrem viel Energie für den Erhalt ihrer Farben benötigen, fährt der scandens ein extrem effizientes Energiesparprogramm. Seine Epidermis, also die äußere Blattschicht, ist robust genug, um Verdunstung gut zu regulieren, weshalb er dir auch mal verzeiht, wenn du das Gießen ein paar Tage vergisst. Botanisch interessant ist auch seine Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung. An fast jedem Knoten (Nodium) bildet er bereits schlafende Luftwurzeln aus. Sobald diese Kontakt zu einem feuchten Substrat oder Wasser bekommen, aktivieren sie sich rasend schnell.

Wenn du diesen Klassiker bei dir aufnimmst, kannst du ihn entweder als Hängepflanze in einer Ampel kultivieren oder ihn an einer Rankhilfe hochleiten. Ich empfehle dir, ihn nicht in die pralle Mittagssonne zu stellen. Durch seinen hohen Chlorophyllgehalt und die dünnere Blattstruktur im Vergleich zu Sukkulenten würde er schnell verbrennen. Ein Nord- oder Ostfenster ist ideal. Solltest du merken, dass die Abstände zwischen den Blättern (Internodien) immer länger werden und die Pflanze „kahl“ wirkt, steht sie zu dunkel. Dann rücke sie etwas näher ans Licht, und du wirst sehen, wie sie buschiger und kompakter weiterwächst. Wir kriegen das hin, dass er bei dir meterlange Ranken bildet!

Was den Philodendron verrucosum so besonders und anspruchsvoll macht

Vielleicht hast du dich auch schon in diese unglaublichen, samtigen Blätter mit den leuchtenden Adern verliebt und wolltest unbedingt einen Philodendron verrucosum haben. Doch kaum stand er bei dir zu Hause, bekam er braune Ränder oder ließ die Blätter hängen, obwohl du gegossen hast. Lass den Kopf nicht hängen, das liegt nicht an deinem Unvermögen, sondern an der sehr spezifischen Anatomie dieser Art. Der Philodendron verrucosum stammt aus den feuchten Nebelwäldern Ecuadors und Kolumbiens und ist eine Diva, was die Luftfeuchtigkeit angeht. Das Besondere an ihm sind nicht nur die samtigen Blätter, sondern auch die behaarten Blattstiele, die Petiolen.

Diese Behaarung, botanisch als Trichome bezeichnet, hat im Nebelwald eine wichtige Funktion: Sie vergrößert die Oberfläche, um Feuchtigkeit aus der gesättigten Umgebungsluft aufzunehmen und schützt gleichzeitig vor kleinen Fressfeinden. Die samtige Struktur der Blattspreite selbst sorgt für eine faszinierende Lichtbrechung, macht das Blatt aber auch anfälliger für Austrocknung als eine glatte, wachsartige Oberfläche. Bei glatten Blättern schützt eine dicke Cuticula (Wachsschicht) vor Wasserverlust. Beim Philodendron verrucosum ist dieser Schutzmechanismus anders aufgebaut, da er in seinem natürlichen Habitat selten Trockenstress erlebt. Wenn er nun in unserem trockenen Wohnzimmer steht, verdunstet er über die riesigen Blattoberflächen mehr Wasser, als er über die Wurzeln nachziehen kann – besonders wenn die Luftfeuchtigkeit unter 60% fällt. Das Ergebnis sind die gefürchteten knusprigen Blattränder.

Damit du mit dem Philodendron verrucosum glücklich wirst, empfehle ich dir dringend, die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze herum zu erhöhen. Ein einfacher Luftbefeuchter wirkt hier Wunder. Bitte besprühe die samtigen Blätter aber niemals direkt mit Wasser! Das Wasser bleibt in der feinen Struktur hängen, kann nicht ablaufen und begünstigt so Pilzinfektionen oder Fäulnis. Außerdem braucht diese Art ein extrem luftiges Substrat. Da er epiphytisch wächst, müssen seine Wurzeln atmen können. Ein dichter Erdklumpen führt bei ihm in Rekordzeit zu Wurzelfäule. Misch dir einen „Chunky Mix“ aus Rinde, Perlit und etwas hochwertiger Erde. Wenn du ihm dann noch einen Moosstab gibst, den du feucht hältst, simulieren wir den Nebelwald fast perfekt und er wird es dir mit riesigen Blättern danken.

Der Hype um die Philodendron Pink Princess und ihre Panaschierung

Sicherlich ist dir der Hype um die Philodendron Pink Princess nicht entgangen. Vor ein paar Jahren noch unbezahlbar, steht sie heute auf vielen Wunschlisten ganz oben. Doch oft höre ich von verzweifelten Pflanzeneltern: „Alisa, meine Pink Princess wird wieder komplett grün, was mache ich falsch?“ Um das zu verstehen, müssen wir tief in die Genetik dieser Pflanze eintauchen. Die Philodendron Pink Princess ist eine Hybride aus dem Philodendron erubescens und ihre pinke Färbung ist das Resultat einer sogenannten chimären Panaschierung.

Chimär bedeutet in der Botanik, dass in einem einzigen Organismus zwei genetisch unterschiedliche Gewebetypen nebeneinander existieren. Im Fall der Pink Princess haben einige Zellen die Fähigkeit verloren, Chlorophyll zu produzieren. Diese Zellen erscheinen uns pink (da die anderen Pigmente wie Anthocyane sichtbar werden), während die Zellen mit Chlorophyll grün bleiben. Das Problem dabei: Diese Mutation ist instabil. Die Pflanze strebt biologisch immer danach, zu überleben. Grüne Blätter betreiben Photosynthese und liefern Energie (Zucker), pinke Stellen sind reine „Mitesser“, die Energie verbrauchen, aber keine liefern. Wenn die Pflanze zu dunkel steht, „entscheidet“ sie sich oft dafür, mehr grüne Zellen zu produzieren, um ihr Überleben zu sichern. Sie vergrünt. Andersherum kann ein komplett pinkes Blatt (ein „Full Moon“) nicht überleben und stirbt ab, da es keine Energie produzieren kann.

Um die Balance bei deiner Philodendron Pink Princess zu halten, ist Licht der absolut entscheidende Faktor. Sie braucht deutlich mehr Licht als ihre grünen Verwandten, aber keine brutale Mittagssonne, die die empfindlichen pinken Areale verbrennen würde. Ein heller Platz ohne direkte Mittagshitze ist ideal. Wenn du merkst, dass sie nur noch grüne Blätter schiebt, musst du mutig sein: Schneide die Pflanze bis zu dem Blattknoten zurück, an dem das letzte Mal eine schöne Panaschierung im Stamm (nicht nur im Blatt!) sichtbar war. Die neue Knospe, die aus diesem Knoten austreibt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, die gemischte genetische Information wiederzutragen. Es ist ein ständiges Spiel mit der Genetik, aber genau das macht die Pflege dieser Art so spannend. Wir achten gemeinsam darauf, dass ihr Stamm immer bunte Streifen aufweist, denn das ist der beste Indikator für kommende bunte Blätter.

Die majestätischen Blätter des Philodendron melanochrysum pflegen

Du träumst von einem Dschungel-Feeling mit riesigen, langen, dunkelgrünen Blättern, die fast golden schimmern? Dann hast du sicher ein Auge auf den Philodendron melanochrysum geworfen. Viele Anfänger sind jedoch enttäuscht, wenn sie eine Jungpflanze kaufen, denn diese sieht mit ihren kleinen, eher rötlichen und rundlichen Blättern noch gar nicht nach dem majestätischen Riesen aus, den man von Fotos kennt. Hier ist Geduld und das Verständnis für die Ontogenese – die Entwicklung vom Jugend- zum Altersstadium – gefragt. Der Philodendron melanochrysum durchläuft eine drastische Metamorphose, die in der Natur eng an seinen Kletterprozess gekoppelt ist.

Botanisch gesehen ist diese Art ein Paradebeispiel für Heterophyllie (Verschiedenblättrigkeit). Als Jungpflanze am Waldboden kriecht er zunächst und sucht Schatten, um Feuchtigkeit zu bewahren. Sobald er einen Baumstamm findet und beginnt, vertikal zu wachsen, verändern sich seine Hormone. Die Internodien werden kürzer, und die Blätter beginnen, ihre charakteristische lange, pfeilförmige Gestalt anzunehmen und jenen samtenen, fast schwarzen Schimmer mit den hellen Adern (den wir so lieben) auszubilden. Dieser Prozess wird nur ausgelöst, wenn die Luftwurzeln festen Halt finden. Ohne eine stabile Rankhilfe wird dein Melanochrysum immer im Jugendstadium verharren und nur kleine Blätter produzieren, die oft traurig herunterhängen.

Die Lösung für prachtvollen Wuchs ist hier also mechanischer Natur: Du brauchst zwingend einen Moosstab. Und zwar keinen trockenen Kokosstab, sondern einen mit Sphagnum-Moos gefüllten Stab, den du feucht hältst. Wenn die Luftwurzeln des Philodendron melanochrysum in das feuchte Moos hineinwachsen können, versorgen sie die Pflanze zusätzlich mit Wasser und Nährstoffen. Das signalisiert der Pflanze: „Ich klettere an einem Baum, ich bin sicher, ich kann jetzt groß werden.“ Achte beim Gießen darauf, dass du nicht nur den Topf gießt, sondern auch den Moosstab. Wenn du das konsequent machst und ihm dazu noch eine hohe Luftfeuchtigkeit bietest (ähnlich wie beim verrucosum), wirst du erleben, wie sich jedes neue Blatt in Größe und Länge übertrifft. Es ist ein Projekt für Geduldige, aber wenn sich dieses samtige Gold entfaltet, ist aller Aufwand vergessen.

Die spontane Mutation beim Philodendron birkin verstehen

Der Philodendron birkin ist in jeder Pflanzensammlung ein absoluter Hingucker mit seinen feinen, weißen Nadelstreifen auf dunkelgrünem Grund. Vielleicht hast du aber schon mal gehört, dass ein Birkin plötzlich rote Flecken bekommt oder komplett rot-braune Blätter schiebt, und warst verwirrt. Das ist keine Krankheit, sondern ein Blick in die Familiengeschichte dieser Pflanze. Der Philodendron birkin ist nämlich keine natürlich in der Wildnis vorkommende Art, sondern eine sogenannte „Sport“-Mutation des Philodendron Rojo Congo.

Der Rojo Congo ist eine selbsttragende, nicht kletternde Hybride mit großen, dunklen, rötlich-braunen bis grünen Blättern. Irgendwann trat in einer Gärtnerei eine spontane genetische Mutation auf, bei der Teile des Gewebes die Fähigkeit zur Pigmentierung verloren, was zu dem markanten weißen Streifenmuster führte. Diese Mutation ist allerdings notorisch instabil. Das bedeutet, dass der Birkin jederzeit versuchen kann, zu seiner ursprünglichen Form, dem Rojo Congo, zurückzukehren – das nennt man „Reverting“. Wenn du also plötzlich rötliche Stellen oder ganz dunkle Blätter entdeckst, bricht das Erbgut des Rojo Congo durch. Andersherum können Birkins auch fast komplett weiße Blätter produzieren, die dann aber (ähnlich wie bei der Pink Princess) oft nicht lange überleben, da ihnen das Chlorophyll fehlt.

Für dich in der Pflege bedeutet das: Der Philodendron birkin wächst anders als ein Scandens oder Verrucosum. Er ist „self-heading“, das heißt, er bildet einen kurzen, dicken Stamm und die Blätter wachsen rosettenförmig sehr eng beieinander. Er braucht keinen Moosstab, da er nicht klettert! Er wird eher breit als hoch. Achte auf einen sehr hellen Standort ohne direkte Mittagssonne, um die weiße Zeichnung zu fördern. Je dunkler er steht, desto eher vergrünt er oder fällt in die dunkle Rojo Congo-Form zurück. Sollte er komplett revertieren (nur noch dunkle Blätter ohne Streifen), kannst du versuchen, ihn zurückzuschneiden, aber oft ist diese Mutation ein dynamischer Prozess, den wir einfach als Laune der Natur akzeptieren und bewundern sollten. Dein Birkin ist ein lebendes genetisches Experiment auf deiner Fensterbank!

Häufige Fragen zu speziellen Philodendron-Themen

Wie erkenne ich sicher, ob mein Philodendron klettert oder kriecht?

Das ist eine entscheidende Frage für den Wuchs. Schau dir den Stamm (den Haupttrieb) genau an. Kletternde Philodendren (wie melanochrysum, scandens, pink princess) haben in der Regel längere Abstände zwischen den Blattknoten (Internodien) und der Stamm ist flexibler, oft etwas dünner im Verhältnis zur Blattmasse. Sie suchen aktiv nach Halt. Kriechende Arten (wie Philodendron gloriosum) haben ein Rhizom, das ist ein dicker, oft holziger Stamm, der sich horizontal über die Erde schiebt. Die Blätter wachsen daraus senkrecht nach oben, während der Stamm am Boden bleibt. Wenn du einen kriechenden Philodendron an einen Moosstab bindest, zwingst du ihn in eine unnatürliche Haltung, die das Wachstum hemmt. Kriecher brauchen längliche Töpfe (Balkonkästen sind super!), damit das Rhizom wandern kann.

Was sind diese klebrigen Tropfen an den Blättern und Stielen?

Keine Panik, das sind meistens keine Schädlinge! Viele Philodendron Arten besitzen sogenannte extraflorale Nektarien. Das sind winzige Drüsen, die sich oft am Blattstiel oder auf der Blattunterseite befinden. Sie scheiden eine zuckerhaltige Lösung aus. In der Natur dient dieser Nektar dazu, Ameisen anzulocken, die die Pflanze im Gegenzug vor Fressfeinden schützen – eine klassische Symbiose. In deiner Wohnung fehlen die Ameisen natürlich, weshalb die Tropfen einfach dort bleiben. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel deiner Pflanze aktiv ist. Pass nur auf: Dieser Zucker kann Rußtaupilze anlocken (schwarze Beläge). Wische die Tropfen einfach ab und zu mit einem warmen, feuchten Tuch ab. Nur wenn sich die Tropfen bewegen oder Beine haben, sind es Wollläuse oder Schildläuse!

Kann ich verschiedene Philodendron Arten miteinander kreuzen?

Theoretisch ja, praktisch ist es in der Wohnzimmerkultur sehr schwierig. Philodendren sind monözisch, das heißt, sie haben sowohl männliche als auch weibliche Blütenstände (Infloreszenzen) an einer Pflanze. Der Haken: Um Selbstbestäubung zu verhindern, sind die weiblichen Teile des Kolbens (Spadix) oft schon empfangsbereit, bevor die männlichen Teile Pollen produzieren (Proterogynie). Zudem blühen Philodendren in der Wohnung extrem selten, meist erst nach vielen Jahren und unter perfekten Bedingungen. Züchter frieren Pollen von einer Pflanze ein, um ihn dann auf eine andere aufzutragen, wenn diese blüht. Die vielen spannenden Hybriden auf dem Markt (wie Philodendron ‚White Wizard‘ oder ‚Florida Beauty‘) stammen aus professionellen Laboren und Gewächshäusern, wo diese Zyklen genau gesteuert werden.

Was hat es mit den trockenen Hüllen an neuen Blättern auf sich?

Das sind sogenannte Cataphylls. Sie dienen als Schutzmantel für das empfindliche, neu austreibende Blatt. Solange das Blatt wächst und sich entwickelt, umschließt das Cataphyll es fest, um mechanische Schäden und Austrocknung zu verhindern. Sobald das Blatt sich entfaltet, hat das Cataphyll seinen Job erledigt. Bei manchen Arten (wie Philodendron hederaceum) vertrocknet es schnell und fällt ab, bei anderen bleibt es als faseriger Rest am Stamm. Es ist also kein Zeichen von Krankheit, wenn Teile am Stamm braun und trocken werden, solange es sich um diese Schutzhüllen handelt. Du kannst sie vorsichtig entfernen, wenn sie komplett (!) eingetrocknet sind, um Verstecke für Schädlinge zu vermeiden, aber reiße sie niemals ab, wenn sie noch saftig sind, da du sonst den Stamm verletzt.

Sollte ich die langen Luftwurzeln abschneiden oder dranlassen?

Aus botanischer Sicht: Bitte dranlassen! Luftwurzeln sind lebenswichtige Organe für den Philodendron. In der Natur nehmen sie Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben der Pflanze statischen Halt. In der Wohnung können sie sehr lang werden und manche empfinden sie als unordentlich. Wenn du sie abschneidest, fügst du der Pflanze eine Wunde zu, über die Bakterien eindringen können. Die bessere Lösung: Leite die Luftwurzeln vorsichtig zurück in den Topf in die Erde. Sobald sie Bodenkontakt haben, verwandeln sie sich in Erdwurzeln, verzweigen sich und versorgen die Pflanze zusätzlich mit Nährstoffen. Das gibt ihr einen richtigen Energie-Boost! Alternativ kannst du sie in den Moosstab leiten. Abschneiden sollte immer nur die allerletzte Notlösung sein, wenn sie wirklich im Weg sind.

Alisa
Pflanzen-Nerd aus Leidenschaft

Hi, ich bin Alisa! 🌿

Seit 12 Jahren teste ich Substrate und bekämpfe Spinnmilben, damit du es nicht musst. In meinem Indoor-Labor leben über 140 exotische Arten. Hier teile ich radikal ehrliche Pflegetipps und fundiertes Wissen – ohne Mythen, dafür mit echter Erfahrung aus dem Dschungel-Alltag.

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