Alisas Plant-Learnings für Eilige:
- Der Blick in den Topf regiert: Vergiss feste Wochentage – gieße erst, wenn die Wurzeln silbrig-grau schimmern; solange sie grün sind, hat die Pflanze keinen Durst.
- Baden geht vor Gießen: Ein Tauchbad sättigt das grobe Substrat viel gleichmäßiger und nachhaltiger als der schnelle Schluck aus der Gießkanne.
- Weg mit dem Schnapsglas: Die weit verbreitete „Ein-Schnapsglas-pro-Woche“-Regel ist ein Mythos, der deine Pflanze langsam vertrocknen lässt – Wurzeln brauchen Durchdringung, keine Tröpfchen.
Warum das Orchidee Gießen eigentlich Wässern heißen sollte
Du kennst das sicher: Du gehst mit deiner Gießkanne durch die Wohnung, versorgst die Efeutute, die Monstera und den Ficus, und dann stehst du vor deiner Orchidee. Du kippst einen Schluck Wasser oben drauf, es läuft unten fast sofort wieder raus, und du denkst: „Passt schon.“ Aber genau hier liegt oft der Hund begraben. Wenn wir über das Orchidee gießen sprechen, müssen wir uns von der Vorstellung lösen, wie wir eine normale Topfpflanze in Erde behandeln. Wie ich dir schon in unserem Deep Dive über die perfekte Orchideenerde erklärt habe, stehen diese Pflanzen in grober Rinde und nicht in schwammartiger Erde.
Das Wasser rauscht an den groben Rindenstücken einfach vorbei. Wenn du nur kurz gießt, werden vielleicht die oberen zwei Wurzeln nass, aber der Kern des Wurzelballens bleibt staubtrocken. In der Natur im Regenwald prasseln heftige Regengüsse auf die Wurzeln nieder, die das Velamen (die schwammartige Wurzelhülle) komplett durchtränken. Danach trocknen sie im Wind wieder ab. Dieses „Nass bis auf die Knochen“ und dann „Luftig trocknen“ ist der Rhythmus, den wir imitieren müssen. Das klassische Gießen mit der Kanne führt oft dazu, dass das Wasser viel zu schnell den Topf verlässt, bevor die Wurzeln überhaupt reagieren und sich vollsaugen können. Deshalb nenne ich es in meinen Coachings lieber „Wässern“ oder „Hydrieren“. Wir müssen sicherstellen, dass die Speicherorgane der Pflanze wirklich aufgefüllt werden. Wenn du das verinnerlichst, hast du den größten Schritt zu einer gesunden, blühfreudigen Pflanze schon getan.
Orchidee: Wie oft gießen ist wirklich notwendig?
Eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird, lautet: „Alisa, sag mir einfach eine Zahl – Orchidee wie oft gießen?“ Ich muss dich enttäuschen, denn es gibt keine magische Zahl wie „alle 7 Tage“. Wenn du stur nach Kalender gießt, wirst du deine Pflanze entweder ertränken oder vertrocknen lassen. Der Wasserbedarf hängt von so vielen Faktoren ab: Wie warm ist es in deiner Wohnung? Wie groß ist der Topf? Wie viel Licht bekommt sie? Und vor allem: In welchem Substrat steht sie? Eine Pflanze in reinem Moos braucht viel seltener Wasser als eine in grober Pinienrinde.
Aber keine Sorge, deine Orchidee hat eine eingebaute Tankanzeige, die idiotensicher ist. Du musst nur lernen, sie zu lesen. Nimm den durchsichtigen Plastiktopf (bitte niemals direkt in Keramik pflanzen!) aus dem Übertopf und schau dir die Wurzeln an. Sind sie prall und leuchtend grün? Dann STOPP! Leg die Gießkanne weg. Grün bedeutet, dass das Velamen noch voll mit Feuchtigkeit ist. Die Pflanze braucht jetzt absolut kein Wasser. Gießt du trotzdem, riskierst du Wurzelfäule, und dann müssten wir wieder mühsam, wie in meinem Artikel zum Thema Orchidee schneiden beschrieben, faule Wurzelteile entfernen. Sind die Wurzeln hingegen silbrig-grau oder fast weißlich und sehen leicht runzelig aus? Dann schreit deine Pflanze nach Wasser. Auch das Gewicht des Topfes ist ein super Indikator. Heb ihn an: Fühlt er sich federleicht an, ist das Wasser im Substrat verdunstet. Lerne, auf diese Zeichen zu achten, statt auf den Kalender zu schauen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Die beste Methode: Warum du deine Orchidee tauchen solltest
Ich bin ein riesiger Fan der Tauchmethode. Wenn du mich fragst, ist das Orchidee tauchen die einzig wahre Art, diese Pflanzen glücklich zu machen. Warum ist das so viel besser als die Gießkanne? Stell dir vor, du hast einen sehr trockenen Schwamm. Wenn du den kurz unter den Wasserhahn hältst, perlt das Wasser oft erst einmal ab oder macht nur die Oberfläche nass. Wirfst du den Schwamm aber in einen Eimer Wasser und drückst ihn unter, saugt er sich bis in die letzte Pore voll. Genau das passiert mit dem Rindensubstrat und den Wurzeln.
Die Rindenstücke im Topf brauchen Zeit, um Wasser aufzunehmen. Beim normalen Gießen fließt das Wasser den Weg des geringsten Widerstands – also durch die großen Lücken direkt nach unten ab. Beim Tauchen wird die Luft aus den Zwischenräumen verdrängt, und das Wasser umspült jede einzelne Wurzel und jedes Rindenstück von allen Seiten. Das hat noch einen weiteren genialen Nebeneffekt: Du spülst damit alte Salze und Ablagerungen aus dem Substrat. Düngerreste reichern sich mit der Zeit an und können die empfindlichen Wurzeln verbrennen. Durch das Tauchen verdünnst du diese Konzentration. Nimm dir also einen Eimer, eine Schüssel oder fülle dein Waschbecken mit handwarmem (nicht eiskaltem!) Wasser. Stelle die Pflanze samt Innentopf hinein. Das Wasser sollte bis knapp unter den Topfrand reichen, damit das Substrat nicht oben rausschwimmt, aber alles gut bedeckt ist. Du wirst sehen, wie Luftblasen aufsteigen – das ist das Zeichen, dass sich die Hohlräume füllen.
Der Mythos entlarvt: Orchideen gießen mit dem Schnapsglas
Dieser Mythos hält sich hartnäckig in Foren und Zeitschriften, und er treibt mich regelmäßig zur Weißglut: „Einfach Orchideen gießen Schnapsglas – das reicht!“ Bitte, tu mir einen Gefallen und vergiss diesen Ratschlag sofort. Die Idee dahinter ist wohl, dass man Übergießen vermeiden will, was ja prinzipiell ein guter Gedanke ist. Aber 20 bis 40 Milliliter Wasser (ein Schnapsglas) sind für eine tropische Pflanze in grobem Substrat ein Witz. Was passiert physikalisch, wenn du diese kleine Menge in den Topf kippst?
Das Wasser benetzt vielleicht die obersten zwei Zentimeter der Rinde oder läuft an einer einzigen Stelle im Topf nach unten. Der Großteil des Wurzelballens bekommt davon absolut nichts ab. Orchideenwurzeln sind aber darauf ausgelegt, sich komplett vollzusaugen. Mit der Schnapsglas-Methode hältst du deine Pflanze permanent an der Grenze zum Verdursten. Sie überlebt das vielleicht eine Weile, weil sie zäh ist und Wasser in den Blättern speichert, aber sie wird nicht gedeihen. Die Blätter werden schlaff („Lederohren“), weil der Turgor-Druck sinkt, und die Wurzeln im unteren Topfbereich vertrocknen und sterben ab. Wenn du dann irgendwann doch mal richtig gießt, faulen diese toten Wurzeln sofort. Zudem sammeln sich bei so kleinen Wassermengen die Salze aus dem Leitungswasser extrem im Substrat an, weil nie etwas „durchgespült“ wird. Das führt zu einer Versalzung des Bodens, was die Wurzeln verätzt. Also: Schnapsgläser sind für Partys da, nicht für Pflanzen!
Orchideen tauchen: Wie lange müssen die Wurzeln baden?
Jetzt, da wir wissen, dass Baden besser ist als Duschen, stellt sich die Frage: Beim Orchideen tauchen wie lange soll die Pflanze eigentlich im Wasser bleiben? Auch hier gibt es keine Sekundengenaue Vorschrift, aber es gibt einen optimalen Zeitrahmen. Wenn du die Pflanze nur einmal kurz reintunkst und sofort wieder rausholst (wie einen Teebeutel), hat das Velamen nicht genug Zeit, das Wasser aufzunehmen. Die schwammartige Struktur braucht einen Moment, um die Kapillarkräfte wirken zu lassen.
Ich empfehle dir eine Badezeit von etwa 15 bis 30 Minuten. Das ist der Sweetspot. In dieser Zeit können sich die Wurzeln prall vollsaugen – du siehst das daran, dass sie ihre Farbe von Silbrig zu sattem Grün wechseln. Auch die Rindenstücke haben dann genug Feuchtigkeit aufgenommen, um die Luftfeuchtigkeit im Topf für die nächsten Tage zu regulieren. Lässt du sie viel länger drin, zum Beispiel über Nacht oder mehrere Stunden, riskierst du, dass die Wurzeln ersticken. Erinnerst du dich? Wurzeln brauchen Sauerstoff. Unter Wasser gibt es keinen Gasaustausch für die Landwurzeln. Ein zu langes Bad stresst die Zellen und kann den Beginn von Fäulnisprozessen markieren. Also: Stell dir einen Timer, mach dir in der Zwischenzeit einen Kaffee oder beantworte ein paar Mails, und hol sie dann wieder raus. Wichtig ist danach das Abtropfen! Lass die Pflanze erst gut abtropfen, bevor du sie zurück in den dichten Übertopf stellst. Staunässe im Übertopf ist nämlich genauso schlimm wie zu langes Tauchen.
Reicht bei Orchideen Besprühen statt Gießen aus?
Viele Pflanzenfreunde lieben es, mit der Sprühflasche durch die Wohnung zu laufen. Es fühlt sich so fürsorglich an. Aber kann man Orchideen besprühen statt gießen? Die klare Antwort ist: Nein. Das Besprühen ist eine nette Wellness-Behandlung für die Luftwurzeln und kann die Luftfeuchtigkeit kurzzeitig erhöhen, aber es ersetzt niemals das Gießen. Die Wurzeln, die tief im Topf sitzen, sind die Hauptversorgungsorgane der Pflanze. Der feine Sprühnebel dringt niemals bis zu ihnen vor. Er benetzt nur die Oberfläche und verdunstet innerhalb von Minuten wieder.
Würdest du nur sprühen, würde deine Orchidee schlichtweg vertrocknen. Das Besprühen hat sogar Risiken. Wenn du zu grob sprühst und sich Wasser in den Blattachseln (dort, wo das Blatt aus dem Stamm kommt) oder im Herz der Pflanze sammelt und dort stehen bleibt, droht Stammfäule. Das ist oft das Todesurteil für eine Phalaenopsis. Wenn du sprühen möchtest, dann ziele nur auf die Luftwurzeln, die aus dem Topf herausschauen. Diese können das Wasser direkt aufnehmen. Aber für die eigentliche Wasserversorgung musst du tauchen. Wenn du unsicher bist, wie du mit den Luftwurzeln umgehen sollst oder ob du sie vielleicht sogar entfernen möchtest, lies dir gerne noch einmal meinen Blogartikel zum Thema Orchidee schneiden durch – dort erkläre ich dir genau, warum diese Luftwurzeln so wichtig sind und wie du sie pflegst, anstatt sie nur anzusprühen.
Der Rhythmus: Orchidee wie oft tauchen im Sommer und Winter?
Der Wasserbedarf deiner Pflanze schwankt mit den Jahreszeiten wie deine Lust auf Eiscreme. Deshalb müssen wir die Frage „Orchidee wie oft tauchen“ saisonal anpassen. Im Sommer läuft der Stoffwechsel deiner Orchidee auf Hochtouren. Es ist hell, es ist warm, und die Pflanze wächst aktiv. Sie bildet neue Blätter und Wurzeln. Durch die Wärme verdunstet das Wasser im Substrat viel schneller. Hier kann es sein, dass du deine Orchidee alle 5 bis 7 Tage tauchen musst. Kontrolliere im Hochsommer wirklich alle paar Tage die Wurzelfarbe.
Im Winter sieht die Sache ganz anders aus. Die Tage sind kurz, das Licht ist schwach. Die Pflanze fährt ihren Stoffwechsel herunter und macht eine Art Winterruhe (auch wenn Phalaenopsis nicht komplett schlafen). Sie verbraucht viel weniger Wasser. Gleichzeitig trocknet das Substrat aber oft schneller aus als man denkt, wegen der trockenen Heizungsluft. Das ist tückisch! Oft sind die Wurzeln oben trocken, aber unten im Topf ist es noch feucht und kühl. Wenn du jetzt zu oft tauchst, faulen die Wurzeln wegen der Kombination aus „nass und kalt“. Im Winter reicht oft ein Rhythmus von alle 10 bis 14 Tage. Aber verlass dich auch hier nicht auf die Tage, sondern auf dein Auge und das Gewicht des Topfes. Wenn du merkst, dass das Substrat zu lange nass bleibt, solltest du vielleicht darüber nachdenken, beim nächsten Orchidee umtopfen mehr luftige Bestandteile wie Perlite beizumischen, damit die Drainage besser funktioniert.
FAQ: Häufige Fragen zum Wasser-Management
Welches Wasser ist das beste für Orchideen?
Orchideen sind Feinschmecker, wenn es ums Wasser geht. Unser Leitungswasser ist oft viel zu hart (kalkhaltig) für sie. In ihrer natürlichen Umgebung bekommen sie nur weiches Regenwasser. Zu viel Kalk verstopft das Velamen der Wurzeln, sodass sie keine Nährstoffe mehr aufnehmen können. Du erkennst das an weißen Krusten auf dem Substrat. Wenn du kannst, sammle Regenwasser – das ist das Gold für Orchideen. Alternativ kannst du destilliertes Wasser kaufen und es im Verhältnis 1:1 oder 2:1 mit Leitungswasser mischen. Auch Wasser aus einem guten Tischfilter (wie Britta) ist besser als direkt aus dem Hahn. Das Wasser sollte zudem immer zimmerwarm sein, niemals eiskalt, um einen Kälteschock an den Wurzeln zu vermeiden.
Darf ich Eiswürfel auf die Orchidee legen zum Gießen?
Es gibt diesen Trend aus den USA, einfach drei Eiswürfel auf das Substrat zu legen („Ice Cube Orchid“). Bitte, bitte mach das nicht! Orchideen sind Tropenkinder. Sie lieben Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Wenn du Eiswasser auf die empfindlichen Wurzeln tropfen lässt, erleiden sie einen Kälteschock. Das Zellgewebe kann absterben, und das Wachstum wird gehemmt. Zudem ist die Menge an Wasser in drei Eiswürfeln oft zu gering, um das Substrat vollständig zu durchfeuchten (ähnlich wie beim Schnapsglas). Gieße oder tauche lieber mit handwarmem Wasser – das ist wellness pur für die Pflanze.
Wann gebe ich den Dünger dazu: Beim Tauchen oder danach?
Der Dünger kommt direkt mit in das Tauchwasser. Aber Vorsicht: Dünger niemals auf trockene Wurzeln geben! Die Salze können die trockenen Wurzelhäute verbrennen. Meine Taktik: Ich tauche die Pflanze erst für 5 Minuten in klares Wasser, damit sich das Velamen vollsaugt und eine Schutzschicht bildet. Dann gebe ich den Flüssigdünger ins Wasserbad und lasse die Pflanze weitere 15 Minuten darin stehen. So kann sie die Nährstoffe sicher aufnehmen. Danach das Wasser wegschütten (nicht aufbewahren, da sich Bakterien bilden können).
Ist es schlimm, wenn Wasser in das Herz der Pflanze kommt?
Ja, das ist sogar sehr gefährlich. Das „Herz“ ist die Stelle in der Mitte, aus der die neuen Blätter wachsen. Wenn dort Wasser stehen bleibt, kann es nicht ablaufen und verdunstet nur sehr langsam. Das führt rasend schnell zu Herzfäule. Die Blätter werden von der Basis her gelb und fallen ab – die Pflanze ist dann oft nicht mehr zu retten. Wenn beim Tauchen oder Gießen versehentlich Wasser ins Herz schwappt, nimm sofort ein Taschentuch oder die Ecke von einem Küchentuch und sauge das Wasser vorsichtig auf, bis alles trocken ist.
Zu welcher Tageszeit sollte ich am besten gießen?
Der Morgen ist die perfekte Zeit für deine Orchideen-Routine. Warum? Wenn du morgens gießt oder tauchst, hat die Pflanze den ganzen Tag Zeit, abzutrocknen und das Wasser zu verarbeiten. Eventuelle Wassertropfen auf den Blättern können im Tageslicht verdunsten. Gießt du abends, bleibt die Feuchtigkeit über Nacht im Topf und auf den Blättern stehen. Da es nachts kühler wird, fördert diese stehende Nässe Pilzinfektionen und Fäulnis. Also: Starte den Tag mit einem Kaffee für dich und einem Bad für deine Pflanzen!
Hi, ich bin Alisa! 🌿
Seit 12 Jahren teste ich Substrate und bekämpfe Spinnmilben, damit du es nicht musst. In meinem Indoor-Labor leben über 140 exotische Arten. Hier teile ich radikal ehrliche Pflegetipps und fundiertes Wissen – ohne Mythen, dafür mit echter Erfahrung aus dem Dschungel-Alltag.
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